Was war – was kommt: Projektgeschichte

1. Bei Öl- und Gassuche heißes Wasser gefunden

In den vergangenen 40 Jahren sind zahlreiche Tiefbohrungen zur Erkundung von möglichen Gas- und Ölvorkommen in Oberbayern niedergebracht worden. Dabei ist man oft auf große Mengen Thermalwasser gestoßen. Auch in der Region um Kirchweidach wurde in Tiefen zwischen 3.000 – 4.000 Meter statt Öl oder Gas, heißes Wasser gefunden.

 

2. Erlaubnisfeld

Im Juni 2008 reichten die Projektentwickler auf Basis dieser Daten einen Antrag auf Erteilung einer bergrechtlichen Erlaubnis beim Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie ein.

 

3. Seismik-Kampagne

Aufbauend auf den positiven Ergebnissen einer ausführlichen Machbarkeitsstudie wurde eine umfangreiche 3D-Seismik-Kampagne im Erlaubnisfeld durchgeführt. Im Zeitraum Februar / März 2010 waren ca. 80 Personen und drei Vibro-Fahrzeuge damit beschäftigt den Untergrund dreidimensional zu durchleuchten, um wasserführende Zonen lokalisieren zu können. Mehr als 180 Kilometer Kabel, 3.600 Schusspunkte und 50.000 Geophone waren nötig, um eine Fläche von 87 Quadratkilometer in einer Tiefe von 3.500 – 4.000 Meter untersuchen zu können. Die Kampagne lieferte eine sehr gute Datenqualität, sodass sich die Experten im Anschluss daran an die Seismikanalyse machen konnten. 

Kirchweidach SeismikfahrzeugGraphische Darstellung SeismikSeismische Messungen
Ankunft der Seismikfahrzeuege, Funktion der Seismik, Seismische Messungen am Feld

4. Bohrplatz

Im August 2010 erhielt die Geoenergie Kirchweidach GmbH die Erlaubnis für die Errichtung und den Ausbau der Bohrstelle. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der Gemeinde festgelegt, die das Projekt ebenso befürworteten, wie die Bevölkerung. Im August wurde mit der Herrichtung des Bohrplatzes begonnen, der während der Bohrarbeiten in der Lage sein musste, eine Last von 1500 Tonnen zu tragen.

Bohrplatzbau AufbauAufbau BohranlageFertige Bohranlage

Bau des Bohrplatzes, Aufbau der Bohranlage

5. Aufbau der Bohranlage

Die Arbeiten zur Einrichtung des Bohrplatzes konnten Ende Oktober 2010 abgeschlossen werden. Anschließend wurde die 52 Meter hohe Bohranlage in Teilen zur Bohrstelle transportiert und innerhalb von zwei Wochen aufgebaut und durch TÜV und Bergamt vor Beginn der ersten Bohrung überprüft.

Bohrplatz Panoramabild

Bohrplatz in Kirchweidach, Ortsteil Erdlehen

6. Bohrungen und Pumptests

Während der Bohrung waren rund um die Uhr Fachkräfte, verteilt in drei Schichten auf der Bohrstelle anwesend. Ziel war es, im Durchschnitt 50 - 100 Meter pro Tag zu bohren. Die erste Bohrung war erfolgreich abgeteuft, es wurde ein Stimulationsmaßnahmen und Pumpversuche durchgeführt, um u. a. festzustellen, wie viel Wasser aus der Bohrung gefördert werden kann. Im Anschluss daran verschob man die Bohranlage um 7 Meter zum Standort des zweiten Bohrlochs und brachte die zweite Bohrung nieder. Nachdem diese nicht die gewünschten Ergebnisse brachte, beschloss man, in etwa 2.700 m Tiefe, einen Seitenarm zu bohren. Ein abschließender Kreislauftest war zu absolvieren, d. h. es wurde festgestellt, wie viel Wasser gefördert und wieder in den Untergrund zurückgeschickt werden kann.

 

BohranlageBohrkopf einfahren1.Bohrloch verstopftPumptests

Bohranlage, Bohrmeissel, Bohrloch verschlossen, Pumptests

7. Wärmeauskopplung für das größte Gewächshaus in Bayern.

Im Dezember 2013 startete die Vorphase der Wärmeauskopplung über die zwei errichteten Bohrungen in Kirchweidach für das angrenzende 12 ha große Gewächshausprojekt (siehe Gemüsebau Steiner). Im Februar 2014 wurden die ersten Tomaten gepflanzt. Bereits 2015 wurde die Gewächshausfläche auf knapp 20 ha erweitert und 2019 kamen weitere knapp 6 ha als Bio-Gewächshaus hinzu. Durch die Beheizung mit Geothermie werden hier täglich etwa 80.000 Liter Heizöl eingespart. Als regionales Angebot vermeidet man hier zusätzlich erhebliche Mengen an CO2, da viele Millionen Lkw-Kilometer gegenüber eine Lieferung des Gemüses aus den Niederlanden oder Spanien nicht gefahren werden müssen. Ebenso wurde seit 2014 beginnend das Fernwärmenetz der Gemeinde ausgebaut. Mittlerweile sind über 400 Haushalte und Unternehmen an die Wärmeversorgung angeschlossen.

 

              

 

8. Kraftwerksbau

Im September 2019 wurde eine neue Pumpe eingebaut, um die weitere Entwicklung des Projekts voranzutreiben. Die Baugenehmigung für das Kraftwerk ist bereits erteilt. Es erfolgt ein zweistufiger Ausbau, zusammen mit E.ON als Generalunternehmer.

Im Dezember 2020 wurde nach nur 6 Monaten Bauzeit ein hochflexibles Kraftwerk, bestehend aus 6 Modulen der Firma ORCAN Energy AG mit einer Gesamtleistung von gut 800 kW fertiggestellt. Bis Ende 2021 soll zusätzlich ein Kraftwerk der Firma Turboden mit einer Leistung von etwa 4 MW errichtet werden.

Mit diesem Konzept soll erstmals eine variable Optimierung der Thermalwasser-Nutzung umgesetzt werden.

 

mögliches Kraftwerk

Die Abbildung zeigt einen möglichen architektonischen Entwurf eines Geothermie Strom- und Heizkraftwerkes